Rühlmann (III-45, 1905), Hettstedt

Disposition der großen Orgel von Wilhelm Rühlmann in Sankt Jacobi, Hettstedt

I. Manual (Hauptwerk) C – g'“ 56 Töne

Principal 16′
Bordun 16′
Principal 8′
Doppelflöte 8’
Gambe 8′
Gemshorn 8’
Hohlflöte 8′
Oktave 4′
Flute harmonique 4′
Quinte 2 2/3’
Octave 2′
Mixtur 4-5 fach
Kornett 3-4 fach
Trompete 8′

II. Manual C – g'“ 56 Töne

Gedackt 16′
Geigenprincipal 8′
Salicional 8′
Dolce 8′
Flaute traverso 8′
Rohrflöte 8′
Fugara 4′
Flaute amabile 4′
Waldflöte 2′
Mixtur 3fach 2 2/3′
Klarinette 8’

 

III. Manual Schwellwerk C – g'“ 56 Töne

Lieblich Gedeckt 16’
Prinzipal 8’
Konzertflöte 8’
Lieblich Gedeckt 8’
Aeoline 8’
Vox coelestis 8’
Fernflöte 4’
Salizet 4’
Piccolo 2’
Oboe 8’

 

Pedalwerk C – f‘

Prinzipalbaß 16’
Violon 16’
Subbass 16’
Gedacktbaß 16’ (Transmission aus SW)
Quinte 10 2/3’
Oktavbaß 8’
Cello 8’
Gedacktbaß 8’
Posaune 16’
Trompete 8’

 

Spielhilfen

II/I, III/I, II/II, I/Ped., II/Ped., II/Ped,

Oberoktav II/I, Subkoppel III/I, Generalkoppel, zwei freie Kombinationen, sechs feste Kombinationen, Zungen ab, Handregister ab, Pianopedal 2. Manual, Rollschweller für Spieler und Registranten

Sperrventile für III. komplett, für Diskant I., für II. komplett

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Erläuterungen

Die umfangreiche Restauration der großen Orgel von Wilhelm Rühlmann in Hettstedt erforderte intensive Vorbereitung, logistische Höchstleistung und kunsthandwerkliches Geschick. Restauratorisch wurde die gesamte Orgel bearbeitet, d.h. neben dem gesamten Pfeifenwerk insbesondere die Kegelladen von Pedal und zwei Manualwerken, sowie die Kastenlade (nach Zustromprinzip!) des Schwellwerks – die eine besondere Spezialität Wilhelm Rühlmanns darstellt.

An diesem Instrument, das von Albert Schweitzer in seinen Memoiren lobend erwähnt wird, zeigte sich bereits die Hinwendung Rühlmanns zur industriell kostengünstiger herzustellenden Kegellade im Gegensatz zur präziseren und im Grunde unverwüstlichen Kastenlade. Aber bekanntlich steckt der Teufel im Detail. Als unser Team nach rund 100 Jahren die Kastenlade öffnete, bot sich uns ein technisch zwar noch intaktes Puzzle dar, das aber, aufgrund der hohen Emissionen im Braunkohletagebau um Hettstedt herum, massive Funktionsstörungen aufwies. Die Beschaffung z.B. eines feinsten Ziegenspaltleders in der ursprünglich verwendeten Qualität, ist heutzutage kaum noch möglich. Oxidative Prozesse lassen sich nur begrenzt stoppen. Stets erfolgtedabei  eine Abwägung zwischen restaurativer Erhaltung und einer konservatorisch behutsamen Ergängung (Rückführung auf alte Pfeifenkörperlängen, Korrekturen von nachvollziehbaren Mensurverläufen und vieles mehr).

Heute präsentiert sich die große Orgel von Wilhelm Rühlmann als Glanzstück seiner Werkstatt und unserer Arbeit in der Restauration. Kulturgut zu erhalten ist äußerst anspruchsvoll. Diesem Anspruch wollen wir mit jedem Instrument gerecht werden.